Demokratie retten statt spalten: Eine ehrliche Antwort an AfD-Fans – Zehn Regeln
Liebe Leserinnen, liebe Leser, und Fragen an die AfD-Anhänger,
FRAGE AN AfD-FANS
WAS GENAU WIRD
MIT DER AfD
FÜR DICH
KONKRET BESSER?
Lohn. Rente. Miete. Pflege. Alltag.

Beobachtungen zur AfD-Wählerschaft
Die AfD gewinnt zunehmend auch bei Gruppen, die früher deutlich weniger für sie wählten. Ihre Anhängerschaft ist eine Mischung aus kulturell und identitär motivierten Menschen mit teils durchaus berechtigten Alltagssorgen – genau jenen Themen, die auch die eingangs gezeigte Grafik anspricht: Lohn, Rente, Miete, Pflege und Alltag. Gleichzeitig zeigt sich ein verbindendes Merkmal: ein hohes Misstrauen gegenüber Medien, etablierter Politik und Institutionen.
Viele AfD-Anhänger empfinden sich als politisch entfremdet und „abgehängt“. Studien deuten darauf hin, dass die stark negativ geprägte Rhetorik – ablehnende Haltung gegenüber Zuwanderung, Leugnung der Klimakrise, Europa- Skeptiker und scharfe Kritik an sogenannten Eliten. Es gibt Hinweise auf eine „Abwärtsspirale“ des subjektiven Wohlbefindens bei AfD Anhängern.
Der Wahlerfolg der AfD speist sich aus mehreren Quellen: der erfolgreichen Mobilisierung ehemaliger Nichtwähler, der Abwanderung aus Union, SPD und FDP sowie einer starken thematischen Bindung an Migrations- und massiver Systemkritik. Diese Entwicklung ist dynamisch und regional unterschiedlich. Die Analyse basiert vor allem auf Daten von Infratest dimap, der Forschungsgruppe Wahlen, der Hans-Böckler-Stiftung (WSI) sowie der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb).
„Was genau wird mit der AfD für Sie konkret besser?“ – bei Lohn, Rente, Miete, Pflege und Alltag.
Eine faire Frage.
Statt mit Gegenparolen zu antworten, möchte ich Ihnen ein anderes Angebot machen: ein praktisches, bodenständiges Konzept, wie Demokratie konkret gestärkt und Alltagsprobleme angegangen werden können – ohne auf radikale Vereinfachungen zu setzen. Grundlage dafür ist das kluge kleine Buch von Jürgen Wiebicke „Zehn Regeln für Demokratie-Retter“ (bpb).
Es richtet sich an alle, die die liberale Demokratie nicht aufgeben wollen, sondern sie aktiv verteidigen und verbessern möchten.

Hier die zehn Regeln – direkt aus dem Inhaltsverzeichnis:
- Liebe deine Stadt
- Mache dir die Welt zum Dorf
- Bleibe gelassen im Umgang mit Demokratie-Verächtern
- Fürchte dich nicht vor rechten Schein-Riesen
- Verliere nicht den Kontakt zu Menschen, die nicht deiner Meinung sind
- Packe Probleme nicht in Watte
- Verabschiede dich von der Attitüde, eigentlich gegen diese Gesellschaft zu sein
- Warte nicht auf den großen Wurf
- Wehre dich, wenn von »den« Politikern die Rede ist
- Verbinde Gelassenheit mit Leidenschaft
Wie soll Demokratie konkret gerettet werden?
Nicht durch nur durch Politik und Parteien oder den nächsten starken Mann, sondern durch Sie selbst – vor Ort, im Kleinen, im Alltag.
Liebe deine Stadt und mache dir die Welt zum Dorf.
Das bedeutet: Engagieren Sie sich in Ihrem Stadtteil, in Vereinen, in der Nachbarschaftshilfe, im Mieterverein oder in der Kommunalpolitik. Dort werden Mieten, Pflege und Alltag wirklich entschieden – nicht nur in Berlin oder Brüssel. Viele Probleme (hohe Mieten, fehlende Pflegekräfte, unsichere Rentenperspektiven) lassen sich nur lösen, wenn Bürgerinnen und Bürger wieder Verantwortung übernehmen und Druck auf alle Ebenen ausüben.
Packe Probleme nicht in Watte und sprich unangenehme Wahrheiten aus. Ja, es gibt reale Sorgen bei Lohn, Migration, innerer Sicherheit und Bürokratie. Diese Themen müssen offen und faktenbasiert diskutiert werden – ohne sie zu leugnen oder zu dramatisieren. Gleichzeitig hilft es nicht, pauschal „das System“ oder „die Eliten“ zu verteufeln.
Verliere nicht den Kontakt zu Menschen, die nicht deiner Meinung sind. Die Spaltung der Gesellschaft schwächt uns alle. Wer nur noch in der eigenen Blase lebt, verliert die Fähigkeit, Mehrheiten für konkrete Verbesserungen zu gewinnen.
Warte nicht auf den großen Wurf. Weder AfD noch andere Parteien werden von heute auf morgen Löhne massiv steigern, Mieten halbieren oder die Pflegekrise lösen. Solche Versprechen sind meist Illusion. Konkrete Fortschritte entstehen durch beharrliche, kleine und mittlere Schritte – in der Kommune, im Land und im Bund.
Verbinde Gelassenheit mit Leidenschaft. Bleiben Sie ruhig und respektvoll im Umgang mit Andersdenkenden, aber leidenschaftlich in der Sache. Das stärkt die Demokratie mehr als jede Wutrede.
Zurück zur Ausgangsfrage:
Die AfD hat in manchen Bereichen berechtigte Kritik geäußert. Aber sie liefert keine überzeugenden, machbaren Gesamt-Konzepte, die Lohn, Rente, Miete und Pflege für die breite Mittelschicht und die Arbeitnehmer konkret und nachhaltig verbessern würden.
Stattdessen nährt sie oft die Haltung, „eigentlich gegen diese Gesellschaft zu sein“ – genau die Attitüde, von der Wiebicke abrät. Die Demokratie wird nicht durch demokratische Parteien „gerettet“ oder zerstört. Sie wird täglich von Millionen Bürgern gelebt – oder eben nicht.
Sie haben die Wahl: Weiter auf große Versprechen und Polarisierung setzen oder mit den Regeln dieses Buches anfangen – bei sich selbst, in der eigenen Stadt, im Gespräch mit dem Nachbarn, der anders wählt. Das ist anstrengender. Aber es ist der einzige Weg, der reale Verbesserungen im Alltag bringen kann.
Lesen Sie das Buch. Es ist keine Parteischrift, sondern ein praktischer Leitfaden für alle, denen die Demokratie wirklich am Herzen liegt.
Quellen
Analysen von Infratest dimap, Forschungsgruppe Wahlen, WSI/Hans-Böckler-Stiftung und wissenschaftlichen Studien. Das Wahlverhalten ist dynamisch und variiert je nach Wahl und Region.
- WSI Nr. 42 · August 2025 · Hans-Böckler-Stiftung, Hövermann, Andreas (2025) (https://www.wsi.de/de/faust-detail.htm?sync_id=HBS-009196)
- infratest dimap Wissen, was Deutschland denkt (https://www.infratest-dimap.de/)
- bpb Parteien in Deutschland Wahlergebnisse und Wählerschaft der AfD, Frank Decker, 16.05.2026 (https://www.bpb.de/themen/parteien/parteien-in-deutschland/afd/273131/wahlergebnisse-und-waehlerschaft-der-afd/)
Zusammengefasst:
Wiebicke ist kein Politiker, sondern ein philosophisch geprägter Publizist, der sich für eine lebendige, streitfähige und wehrhafte Demokratie einsetzt – mit Betonung auf Respekt, Gelassenheit, Ehrlichkeit und bürgerschaftlichem Engagement im Kleinen.
Anregungen, Literaturhinweis und Diskussion
- Demokratie: Miteinander sprechen Liebe AfD-Wähler, die hart arbeiten oder gerade nicht. Warum wählen Sie genau die Partei, die das Sozialgeld streichen will? (Beitrag hier klicken)
- Zusammenhalt durch Teilhabe Praxistest: 10 Regeln für Demokratie-Retter, Susanne Kailitz (https://www.zusammenhalt-durch-teilhabe.de/143945/praxistest-10-regeln-fuer-demokratie-retter)
- Zehn Regeln für Demokratie-Retter, Jürgen Wiebicke, 6. April 2017 (https://www.amazon.de/Zehn-Regeln-Demokratie-Retter-J%C3%BCrgen-Wiebicke/dp/3462050710) (https://www.youtube.com/watch?v=byDSwwb2hFQ)
- 25. bpb:forum „Zehn Regeln für Demokratie-Retter“, Lesung und Gespräch mit Jürgen Wiebicke, 17.04.2019 (https://www.bpb.de/die-bpb/ueber-uns/standorte/bonn/bpb-forum/289817/25-bpb-forum-zehn-regeln-fuer-demokratie-retter/)
- Artikel Wenn Du Dich nicht um mich kümmerst, dann verlasse ich Dich. Deine Demokratie (Beitrag hier klicken)