Demokratie: „Miteinander sprechen“ Liebe AfD-Wähler, die hart arbeiten oder gerade nicht. Warum wählen Sie genau die Partei, die das Sozialgeld streichen will?

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser,
stellen Sie sich vor, Sie sitzen abends auf dem Sofa, vielleicht nach einem langen Tag, vielleicht nach einem Tag, an dem wieder mal nichts gelaufen ist.
Und dann sehen Sie diese Grafik:

„Etwa 35% der AfD-Wähler ist arbeitslos und deswegen auf staatliche Unterstützung angewiesen. > Die AfD will genau diese Unterstützungen streichen. Kann mir irgendeiner aus diesen 35 Prozent mal erklären, wieso sie kein Geld mehr bekommen wollen?“
Boah. Das sitzt. Manche lachen sich kaputt, andere werden richtig sauer. Und genau deswegen möchte ich mit Ihnen darüber sprechen – ehrlich, ohne erhobenen Zeigefinger und mit einem Schuss Humor, den auch der Hartz-IV-Stammtisch und der grüne Bio-Laden Kunde gleichzeitig schmunzelnd lesen können.
Liebe AfD-Sympathisanten, viele von Ihnen fühlen sich von manchen AfD-Politikern verstanden. Endlich redet mal einer Klartext. Endlich fühlt sich jemand nicht wie ein Alien, wenn er sagt: „Ich komm mit dem ganzen Kram nicht mehr klar.“ Das ist kein dummes Gefühl. Das ist menschlich. Viele von Ihnen haben jahrelang gearbeitet, Steuern gezahlt, und plötzlich läuft nichts mehr – und dann sehen Sie, wie andere (auch welche, die gerade erst gekommen sind) anscheinend leichter an Geld kommen. Das macht wütend. Verständlich.
Und dann kommt die Gegenfrage in der Grafik – und die ist fies witzig: Warum wählt ihr Leute, die euch das Geld wegnehmen wollen? Hier die ehrliche, etwas humorvolle Antwort aus Sicht einer Sozialarbeiterin, die täglich mit Ihnen zu tun hat:
Weil Sie nicht „kein Geld mehr wollen“.
Sie wollen endlich wieder richtig Geld verdienen – mit Arbeit, die sich lohnt. Sie wollen keine Almosen mehr, bei denen man sich vorkommt wie ein Bittsteller. Sie wollen einen Staat, der nicht neue Leute einlädt, die sofort ohne Gegenleistung Sozialgeld bekommt, während Sie selbst das Gefühl haben, nur noch geduldet zu werden. Die AfD trifft diesen Frust mit einfachen, harten Worten. Das kommt an. Auch wenn das Wahlprogramm an manchen Stellen für genau Ihre Gruppe richtig ungemütlich werden könnte. Es ist ein bisschen wie der Typ, der sagt: „Ich hasse Diät!“ – und dann genau den Personal Trainer wählt, der ihm den Kühlschrank abschließt und ihn morgens um 6 Uhr aus dem Bett schmeißt.
Schmerzhaft. Aber vielleicht notwendig, denkt er/sie sich.
Und jetzt zu Ihnen, liebe AfD-Gegner und Gegnerinnen: Bevor Sie sich jetzt zu sehr freuen über die „dummen Wähler“ – lachen Sie lieber mit. Denn viele dieser 35 % (die Zahl ist vermutlich umstritten, aber lassen wir das) sind keine faulen Leute. Das sind Menschen, die sich von der Politik der letzten 15 Jahre hintergangen fühlen. Und wenn Sie nur mit dem Finger auf sie zeigen und „Wie blöd seid ihr eigentlich?“ rufen, dann machen Sie genau das, was die AfD stark macht: Sie bestätigen das Gefühl „Die da oben verachten uns.“
Forderungen zum Bürgergeld / Grundsicherung / Sozialpolitik der AfD
Analyse der AfD-Politik zu Sozialleistungen (Stand 2025/2026) Die AfD positioniert sich in ihrem Bundestagswahlprogramm 2025 („Zeit für Deutschland“) klar als Kritikerin des aktuellen Sozialsystems, insbesondere des Bürgergeldes (Nachfolger von Hartz IV). Die Partei sieht das System als „nicht funktionierend“ und als Magnet für Missbrauch, vor allem durch Zuwanderung. „Fördern und Fordern“ radikal umsetzen, mit starkem Fokus auf Aktivierung und nationale Priorität. Rente: Fokus auf Stabilisierung durch höhere Geburtenraten und „heimische Potenziale“.
Kritik der Gewerkschaften, Medien und demokratische Parteien:
Es handele sich um Sozialabbau und „neoliberale Härte“ vor allem gegenüber „Schwachen“. Die Pläne würden viele Menschen (auch „Bio-Deutsche“) in Armut drängen, Zwangsarbeit einführen und den Sozialstaat aushöhlen. Kritiker sehen darin vor allem eine anti-migrantische Agenda, die reale Probleme (z. B. Fachkräftemangel, Langzeitarbeitslosigkeit, Pflegekasse, Rentensystem, Krankenkasse, Klimakrise …) nicht löst. Für Menschen mit multiplen Vermittlungshemmnissen (Eingeschränkte Gesundheit und fehlende Qualifikation) oder ohne lange Einzahlungshistorie würde es deutlich schwieriger.
Zum Schluss eine Einladung an alle: Miteinander sprechen
Es existiert eine Möglichkeit, die ich gut finde. Bringen Sie Ihre Wut mit, Ihren Humor und Ihre echte Lebensgeschichte. Keiner wird hier belehrt. Aber vielleicht gehen wir danach alle ein kleines bisschen klüger und weniger sauer nach Hause. Viele haben genug von einer Politik, die an der Realität vieler Menschen vorbeigeht.
Kein Besserwisser-Kreis. Kein „Wir erklären euch jetzt mal die Welt“. Sondern echtes Reden. Über Geld, über Arbeit, über Gerechtigkeit, über das Gefühl, abgehängt zu sein – und auch über die echten Probleme, die entstehen, wenn Sie sehen, dass die Infrastruktur kaputt ist und am falschen Ende gespart werden soll. Humor hilft dabei. Weil man über sich selbst lachen kann, wenn man merkt: Ja, manchmal wählen wir aus Frust Dinge, die uns auch wehtun könnten. Und ja, manchmal sind die „Gutmenschen“ so belehrend, dass man am liebsten genau das Gegenteil machen möchte.
Herzliche Grüße Ihre Elke Overhage, die weder AfD noch „die da oben“ toll findet – sondern einfach Sie gerne verstehen möchte.
Anregungen
Artikel Wenn Du Dich nicht um mich kümmerst, dann verlasse ich Dich. Deine Demokratie (Beitrag hier klicken)
- Reel bei Instagram und komplettes Gespräch bei RTL aktuell 10.01.2025 „Nach der low energy Plauderei mit Elon Musk ging es im Interview fürs RTL-Nachtjournal mit Alice Weidel deutlich energetischer zu. Und um den Grund, warum die AfD alle Arbeitslose in Deutschland viel schneller ins Bürgergeld abrutschen lassen will als derzeit gilt.“ X Twitter Nikolaus Blome (https://x.com/NikolausBlome/status/1877463529667567813) Instagram Reel (https://www.instagram.com/reel/DEp4Ribq1Wr/) YoutubeAfD-Chefin Alice Weidel im Interview mit RTL-Politikchef Nikolaus Blome (https://www.youtube.com/watch?v=H8cDTXGr21M)
- DGB Warum ist die AfD keine Partei für Beschäftigte? (https://www.dgb.de/gerechtigkeit/demokratie/afd-der-feind-der-beschaeftigten/)
- 6 Tipps fürs Gespräch mit AfD-Sympathisant*innen (https://www.campact.de/rechtsextremismus/argumente-gegen-die-afd/gespraechstipps/)
- Das Ruhrgebiet spricht Miteinander reden. Statt übereinander. (https://dasruhrgebietspricht.de/)
- ARD-Dialogprojekt Miteinander reden – statt übereinander (https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/ard-aktion-was-deutschland-verbindet-100.html)
- ZDF-mitreden: „Am Puls – Deutschland diskutiert“ (https://www.zdf.de/unternehmen/dein-zdf/mitreden-168.html) Umfrageergebnisse (https://www.zdf.de/unternehmen/dein-zdf/zdf-mitreden/umfrageergebnisse/mitreden-umfrageergebnisse-104.html)