Demokratie in Gefahr – oder doch nicht? Die AfD bleibt trotz Wahlerfolgen isoliert
Ach, wie schön war das wieder in Sachsen-Anhalt: Grillabend, entspannte Atmosphäre, kein nerviges Politik-Gerede – einfach nur Wohlfühlprogramm. Ein durchschlagender Erfolg. Die Leute standen Schlange, aßen Würstchen und träumten den schönen Traum, dass mit der sogenannten Alternative für Deutschland endlich alles wieder „voll normal“ wird.
Weil früher war ja bekanntlich alles besser.
Die Klimakrise gibt’s nicht. Wir schicken einfach keine Waffen mehr, und der Krieg ist zu Ende, weil keiner mehr dahin geht, wo Krieg ist. Dann haben wir endlich wieder billigen Sprit und Gas für die Heizung. Die Lebensmittelpreise gehen bestimmt auch wieder runter. Und Spaß miteinander? Klar – wenn nur noch die richtigen Deutschen im Ländle leben. … und und und. Dass Alice Weidel selbst nicht gerade nach dem heiligen Familienbild lebt, das die Partei so gerne propagiert? Nebensache.
Dass Ulrich Siegmund laut Recherchen von RTL/ntv mehrere Vertraute in seinem Umfeld hat, die in der Vergangenheit rechtsextremistischen oder neonazistischen Organisationen angehörten? Auch egal.
Die AfD-Wählenden glauben weiterhin das Märchen, ihre Lebenssituation in Bezug auf Soziale Gerechtigkeit würde sich magisch verbessern, sobald nur genug „Abschiebung“ und „Remigration“ im Programm stehen.

Doch dann passiert das Unfassbare „Rote Linien überschritten“:
Trotz des Wahlerfolgs in Sachsen-Anhalt bleibt die AfD auf europäischer Ebene weitgehend isoliert – selbst innerhalb des rechten Spektrums. Die AfD ist einfach so radikal, dass niemand mit ihr zusammenarbeiten kann und will. Meloni, Le Pen und Farage halten den Ball flach, distanzieren sich demonstrativ und lassen die Sektkorken ungekorkt. Daher passt der Spruch so wunderbar: „Rote Linien überschritten“.
Willkommen in der Realität
Politische Hintergründe der Distanzierung von Meloni, Le Pen und Farage gegenüber der AfD. Die Ablehnung einer Gratulation zum AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt (ca. 43–44 % im September 2026) ist kein Zufall, sondern Ausdruck strategischer, inhaltlicher und imagepolitischer Kalküle innerhalb des europäischen Rechtslagers. Die AfD wird von den erfolgreichsten Rechtspopulisten Europas bewusst als zu radikal und toxisch behandelt.
Die Handelsblatt-Berichterstattung und begleitende Analysen nennen als zentrale Gründe drei AfD-Positionen bzw. Merkmale, die „rote Linien“ überschreiten.
1. Historische Revisionismus und Nähe zum Rechtsextremismus.
Die AfD wird vom deutschen Verfassungsschutz in mehreren Ländern und bundesweit in Teilen als „gesichert rechtsextrem“ eingestuft. Einzelne Äußerungen von AfD-Politikern (z. B. Maximilian Krahs relativierende Aussagen zur Waffen-SS 2024: nicht jeder SS-Angehörige sei automatisch ein Verbrecher) führten bereits 2024 zum Bruch mit dem französischen Rassemblement National (RN) im Europaparlament. RN-Sprecher Philippe Ballard und Parteichef Jordan Bardella verweisen explizit darauf, dass hier „rote Linien überschritten“ wurden – insbesondere im Umgang mit der NS-Vergangenheit. Für Marine Le Pen, die seit Jahren eine Strategie der dédiabolisation (Entteufelung) verfolgt, um 2027 präsidentschaftsfähig zu wirken, ist jede Assoziation mit deutschen Nazi-Relativierungen hochgiftig. Ähnliche Bedenken gelten für Giorgia Meloni, die ihre postfaschistischen Wurzeln längst hinter einem regierungsfähigen Image versteckt hat.
2. Extremere Migrationspolitik („Remigration“)
Die AfD vertritt ein besonders hartes Konzept der „Remigration“: massenhafte Rückführung nicht nur illegaler Migranten, sondern auch von (teilweise eingebürgerten) Personen mit Migrationshintergrund, die als nicht ausreichend assimiliert gelten. Das geht über die Positionen von RN und Fratelli d’Italia hinaus. Le Pen und Bardella betonen, sie wollten keine Entziehung der Staatsbürgerschaft oder Abschiebung legaler Einwohner. Meloni praktiziert in Italien eine harte, aber pragmatische Migrationspolitik innerhalb des EU-Rahmens und will nicht mit dem Image der AfD als „Ausweisungspartei“ in Verbindung gebracht werden. Diese Differenz dient den anderen Parteien dazu, sich selbst als „fest, aber nicht brutal“ zu positionieren.
3. Außen- und Europapolitik (Russland, Ukraine, EU)Hier liegen die tiefsten strategischen Gräben:
- Die AfD ist deutlich russlandfreundlicher, kritischer gegenüber Waffenlieferungen an die Ukraine und stärker euroskeptisch (teilweise mit Dexit-Tendenzen).
- Meloni unterstützt die Ukraine, hält Italien in der NATO und agiert als pragmatische EU-Partnerin (auch mit CDU-Kanzler Friedrich Merz).
- Le Pen/RN haben ihre frühere Putin-Nähe und EU-Austrittsforderungen weitgehend abgelegt, um regierungsfähig zu wirken.
- Nigel Farage bzw. Reform UK (Richard Tice) wollen nach dem Brexit als britische Populisten wahrgenommen werden, nicht als Verbündete einer als extremistisch geltenden deutschen Partei.
Im Europaparlament sitzt die AfD in der radikalen Splitterfraktion „Europa der souveränen Nationen“ (ESN), während RN, Lega und andere in „Patrioten für Europa“ und Melonis Fratelli d’Italia in den „Europäischen Konservativen und Reformern“ (ECR) organisiert sind. Die AfD ist damit schon seit Jahren isoliert.
Strategische und innenpolitische Motive
- Macht- und Imagekalkül: Meloni (Italien) regiert bereits und braucht internationale Akzeptanz. Le Pen (Frankreich) will 2027 ins Élysée und darf sich nicht als „deutsche Radikale“ brandmarken lassen. Farage will in Großbritannien als bürgerlich-populistische Alternative erscheinen. Die AfD dient ihnen als nützlicher Kontrast: „Wir sind rechts, aber nicht so extrem wie die.“
- Italienische Besonderheiten: Außenminister Antonio Tajani (Forza Italia) nennt die AfD gar „Italiens schlimmsten Feind“ – auch wegen der historischen AfD-Kritik an südeuropäischen Schuldenstaaten. Meloni selbst bleibt oft still, um den internen Konflikt mit dem jubelnden Matteo Salvini (Lega) und dem noch radikaleren Roberto Vannacci zu managen.
- Fragmentierung der europäischen Rechten: Es gibt kein einheitliches „Rechtslager“. Es existiert ein Spektrum von nationalkonservativ-regierungsfähig (Meloni) über populistisch-gemäßigt (Le Pen, Farage) bis hin zu radikal-identitär (AfD, Teile der FPÖ). Wer an die Macht will, distanziert sich vom radikalen Rand.
Fazit zur Brandmauer:
Die Distanzierung ist vor allem realpolitisch motiviert. Meloni, Le Pen und Farage wollen den europäischen Rechtsruck für sich nutzen, ohne den toxischen Ballast der AfD (Verfassungsschutz-Einstufung, historische Tabubrüche, extreme Rhetorik) mitzutragen. Die AfD bleibt dadurch trotz Wahlerfolgen in Sachsen-Anhalt auf europäischer Ebene weitgehend isoliert – ein Zeichen dafür, dass selbst innerhalb des rechten Spektrums Brandmauern existieren.
Anregungen und Quellen
„Rote Linien überschritten“ – wieso Meloni, Le Pen und Farage der AfD nicht zum Wahlsieg gratulieren Quelle: Handelsblatt Veröffentlicht: 10. September 2026 (https://www.handelsblatt.com/politik/international/eu-wieso-meloni-und-le-pen-der-afd-nicht-zum-wahlsieg-gratulierten/100252608.html)
Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik Im Schatten Le Pens Marine Le Pen tritt als RN-Kandidatin an. Die Zukunft gehört trotzdem Jordan Bardella. von Jacob Ross 06.07.2026, (https://dgap.org/de/forschung/publikationen/im-schatten-le-pens)
Populisten, Radikale, Extreme: Das rechte Lager in Europa – von Meloni bis AfD Stand: 29.06.2026, Von: Florian Naumann (https://www.fr.de/politik/rechte-in-europa-populisten-radikale-extreme-von-meloni-bis-afd-zr-94374941.html)
Wenn Du Dich nicht um mich kümmerst, dann verlasse ich Dich. Deine Demokratie (Beitrag hier klicken)
„Meine Angst kriegt ihr nicht“: Sich der AfD widersetzen – es ist noch nicht zu spät ntv von Aljoscha Prange 07.09.2026 (https://www.n-tv.de/panorama/Sich-der-AfD-widersetzen-es-ist-noch-nicht-zu-spaet-id31278173.html)
Merke
„Die Demokratie lebt nicht nur von der Perfektion ihrer Institutionen, sondern von der Entschlossenheit derer, die sie verteidigen.“
„Demokratie ist kein fertiges Produkt, sondern ein täglicher Auftrag: Sie lebt nicht vom bloßen Zusehen, sondern von der mutigen Teilhabe und der Kraft jedes Einzelnen, der mitgestaltet.“